Kakao als Wohlfühldroge? - Zweiter Teil

Kakao alleine macht Schokolade nicht zum psychoaktiven Suchtmittel. Was aber unterscheidet ihn von anderen Süßihkeiten?

Bittere Süße

An und für sich ist Kakao ja gar keine Süßigkeit. Die Pflanze ist eher bitter, was man ja auch am Geschmack merkt: je hochprozentiger, desto herber. Es ist überhaupt eine europäische Erfindung, den Kakao zu süßen. Im heutigen Staatsgebiet von Mexiko nutzten die Azteken die Kakaopflanze schon bevor die spanischen Conquistadoren einfielen und ihre Hochkultur auslöschten. Archäologische Funde lassen sogar darauf schließen, dass das Gewächs bereits im 12. Jh. v. Chr. zu einem Getränk verarbeitet wurde – ein alkoholisches Getränk, das nicht aus der Kakaobohne hergestellt wurde, sondern aus vergorenem Fruchtfleisch. Womit endlich ein psychoaktiver Aspekt der Kakaopflanze aufgedeckt wäre – allerdings hat er herzlich wenig mit Schokolade zu tun, und das berauschende und süchtig machende Element wäre in diesem Falle nicht der Kakao an sich, sondern der Alkohol. Die Azteken nutzten ab dem 14. Jh. sehr wohl die Bohne der Pflanze, die sie als Geschenk des Schöpfergottes Quetzalcoatl verehrten, und zwar sowohl als Zahlungsmittel, als auch als Getränk aus Wasser, Kakao, Mais, Vanille, Cayennepfeffer und einer Prise Salz.

Rausch durch Schokolade?

Eine Eigenschaft, die man Schokolade allgemein zuschreibt, da ist man sich relativ einig, ist der Umstand, dass sie glücklich macht, d.h., das Wohlbefinden steigert. Allerdings ist dies wohl eher dem Fett- und Zuckergehalt zuzuschreiben – und dem guten Geschmack. Denn auch weiße Schokolade hilft gegen den Schokoladenschmachter und ihr Konsum wirkt ebenso beglückend wie Bitterschokolade. Tatsächlich enthält Kakao aber durchaus einige glücklich machende Substanzen – zumindest potentiell euphorisierende oder antidepressive Wirkstoffe. Aber bei Licht besehen ist das größtenteils bloß die halbe Wahrheit: das viel diskutierte Anandamid, das in der Schokolade enthalten ist, kann zwar Wirkungen hervorrufen, die dem Marihuanarausch ähneln, allerdings ist die Konzentration des Wirkstoffes dergestalt gering, dass bereits ein Grundschüler 7 Tafeln essen müsste, ehe sich ein Rauschzustand einstellt.

Bei Erwachsenen wären es bereits mehrere Kilo. Man sollte also nicht unbedingt sofort glasuben, wenn einem jemand erzählen möchte, Schokolade mache glücklich: handelt es sich zum Beispiel um einen Artikel, in dem die Rauschhafte Wirkung auf die psychoaktive Bestandteile des Kakaos zurück geführt wird, aber verschwiegen wird, wie viel ein Mensch bräuchte, um ein High hervor zu rufen, so handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein gezielt von der Schokoladenlobby lanciertes Gerücht, das zwar nicht jedweder Grundlage entbehrt, aber trotzdem in die Irre führt – machen wir uns nichts vor, es wird nicht nur mit praktischen Reklameobjekten geworben, wie man sie sich zum Beispiel bei www.kalenderriese.de anfertigen lassen kann, sondern eben manchmal auch mit Mittel, die auf Kosten der Korrektheit unseres Wissensstandes gehen. Es gibt also keinen Reiseratgeber zum Höhenflug auf Schokolade: der größte Unterschied zu Gummibärchen ist wohl eher der Fettanteil – denn Fett steigert tatsächlich die Zufriedenheit und das Geschmackserlebnis.