Kakao als Wohlfühldroge?

Man ist ja alle Jahre wieder mit der Aussage konfrontiert, Wissenschaftler hätten festgestellt, Schokolade mache glücklich. Danach kann man seine Uhr stellen. Und fast ebenso häufig wird mit der Information gekontert: „ja, aber...“ Was ist also dran an dem Gerücht? Und woher kommt es? Ist Kakao gar eine Droge?

Einem Mythos auf der Spur

Was unterscheidet Schokolade von, sagen wir: Gummibärchen? Jetzt abgesehen von Konsistenz und Geschmack? Macht Schokolade glücklicher? Nun, sicherlich: Süßigkeiten sind in erster Linie eine Belohnung, wofür auch immer. Man kommt erledigt nach Hause, braucht erst einmal etwas Nettes, wo schon niemand da ist, der einem gut zuredet oder in den Arm nimmt – und in Null-Komma-Nichts ist eine halbe Tafel Schokolade heruntergeschlungen, ehe man sich des Mantels entledigt hat. Und man fühlt sich definitiv besser. Und die andere Hälfte der Tafel wird auch nicht mehr lange überleben. Kann man daraus schließen, Schokolade mache glücklich? Wäre es eine zulässige Folgerung, zu behaupten, Schokolade mache süchtig, weil man erst aufhört, zu essen, wenn einem schlecht ist? Oder ist es übertrieben, hier ein Suchtverhalten wie etwa bei einem Trinker zu diagnostizieren?

Suchtmittel Kakao?

Immerhin gibt es ja, und das ist kein Witz, „anonyme Schokoholiker“, und wer das Wort „Schokoholiker“ googlet, bekommt es mit 65100 Suchmaschineneinträgen zu tun. Oder nehmen sich da nur ein paar Menschen zu wichtig oder halten sich für witziger, als sie sind? Immerhin kann eine Tüte Gummizeug vor dem Fernseher genau so schnell vertilgt sein...naja, fast. Man kaut auf ihnen ein bisschen länger herum, aber das ist womöglich der einzige Unterschied. Es gibt ja zudem auch noch weiße Schokolade, die lediglich Kakaobutter enthält, und der Kakaoanteil in Milchschokolade ist ja doch meist eher gering. Es handelt sich also häufig in erster Linie um Zucker und Fett – was viele Menschen vermutlich evolutionsbedingt für gut und schmackhaft befinden.

Zwar sollte man mit Hypothesen über die Evolution zumeist vorsichtig sein – schließlich kann man nichts beweisen – aber die Kohlenhydrate des Zuckers führen zu einer schnellen Energiezufuhr für den menschlichen Körper und wenn unsere Vorfahren es geschafft haben, ein paar Fettpölsterchen anzulegen, konnte das ihre Überlebenschancen in schlechten Zeiten enorm erhöhen. Und versucht man das Heißhungerexperiment nun mit Bitterschokolade, so mag man überrascht sein: es ist erheblich schwieriger eine Tafel 85%iger Herrenschokolade herunterzuschlingen. 99%ige ist gar nur in Minimaldosen genießbar. Vorausgesetzt, man mag es überhaupt so bitter. Der Kakao ist offenbar nicht der größte Suchtfaktor. Bisher also noch kein Grund, für den täglichen Schokoschmachter beim Pflanzenversand nach Kakaopflanzen zu stöbern. Die brauchen ohnehin hohe Temperatur und zugleich Schatten – das kann man in Mitteleuropa getrost vergessen, solange die Klimakatastrophe uns noch nicht brutzeln lässt. Da macht eine Zierpflanze doch erheblich glücklicher.